Warum dienen?

Bekanntlich ist ein Diakon ein Diener. Das ist zumindest die wörtliche deutsche Übersetzung des griechischen diákonos. Also einer, der dient. Das sieht man sehr deutlich in der Messe. Dort dient der Diakon in der Liturgie, versieht also bestimmte Aufgaben, aber solche, die auch jederzeit ein Laie, also zum Bespiel die Ministranten oder die Gottesdienstbeauftragten, übernehmen könnten, wenn er zum Beispiel bei der Gabenbereitung oder bei der Kommunionausteilung hilft. Oder aber der Diakon übernimmt in der Liturgie Aufgaben, die sonst der Priester allein vollzieht, zum Beispiel die Verkündung des Evangeliums. Daraus könnte man schließen, der Diakon sei bloß dazu da, dass die Messe etwas mehr ausgestattet ist, vielleicht auch ein bisschen feierlicher, quasi als Schmuck.

Zudem ist “Dienen” heute ja kein besonders beliebter Begriff. Dienen heißt Abhängigkeit; das Gegenteil von Selbstbehauptung, Selbstverwirklichung. Ein Diener bestimmt nicht selbst, was er tut. Er begibt sich in Abhängigkeit. Das ist mit unserem Verständnis von Freiheit und Selbstbestimmung nur schwer zusammenzubringen.

Wozu also dieses Dienen? Wenn wir heute den ersten Märtyrer der Kirche, den Heiligen Stephanus, ehren, dann auch den ersten Diakon. Dass er Märtyrer war, also einer, der für den Glauben an Christus sein Leben gab, das wird uns heute in der Lesung sehr plastisch und drastisch dargestellt. In der Apostelgeschichte wird etwas früher aber auch von der “Wahl der Sieben” berichtet, die den Aposteln bei der Versorgung der Notleidenden helfen sollten. Stephanus ist der erste dieser Sieben, die als erste Diakone der Kirche gelten.

Wenn wir also fragen, was ein Diakon ist: Einer, den die Apostel, also heute die Bischöfe, berufen, für die Notleidenden da zu sein. Und das kann in ganz vielen Formen geschehen: durch Krankenbesuche etwa oder Besuche bei Inhaftierten oder bei den vielen Menschen, die heute einsam und arm sind – aus den unterschiedlichsten Gründen. Für sie alle da zu sein – immer im Wissen, dass derjenige, der wirklich der Diener aller geworden ist, Jesus selbst ist. Er dient uns viel mehr, als wir ihm oder den Anderen je dienen können.

Wenn also der Diakon in der Liturgie anwesend ist, dann nicht als zusätzliche Ausstattung, sondern immer auch als ein Zeichen, die Notleidenden in unsere Kirche hineinzutragen, damit gerade sie in unserem Gottesdienst nicht vergessen sind. Und damit deutlich wird, dass unsere Kirche nur als eine dienende Kirche zu etwas dient und dass wir Gott, der die Liebe ist, am besten dadurch dienen, dass wir für Andere da sind, genauso wie Jesus Christus für uns da ist.

(Predigt am Fest des Hl. Stephanus, 26.12.2019, Maria Gnaden, Berlin-Hermsdorf)



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