Der Regenbogen Gottes über unserem Leben

Erinnern Sie sich an das Datum Ihrer Taufe, oder feiern Sie sogar Ihren Tauftag? Den Geburtstag feiert man natürlich, vielleicht sogar den Namenstag, aber den Tauftag? Papst Franziskus hat uns letzte Woche dazu aufgefordert, unseren Tauftag mehr zu feiern. Aber warum sollte das wichtig sein?

Ich wage zu behaupten, dass es so ziemlich das Wichtigste in unserem Leben als Christen ist. Warum? Weil getauft zu sein uns allererst zu Christinnen und Christen macht, weil getauft zu sein unsere höchste Würde als Christen ausmacht.

Früher haben wir gelernt, dass nur jemand, der getauft ist, überhaupt die Chance hat, das ewige Heil zu erlangen. Das würde man heute so nicht mehr sagen. Gott sei Dank! Übrigens wage ich mir gar nicht vorzustellen, wie viele Menschen in tiefstes Unglück gestürzt wurden, weil zum Beispiel ihr Kind starb, bevor es die Möglichkeit hatte, getauft zu werden. Oder wie viele verzweifelt waren, dass sie viele gute, anständige Menschen kannten, die aber nicht getauft waren, und von denen sie annehmen mussten, dass sie der ewigen Verdammnis anheim fielen.

Vor etwas mehr als 55 Jahren, genau im Dezember 1964, hat ein damals noch einigermaßen junger Theologieprofessor in Münster in seinen Adventspredigten genau dem widersprochen. Und er wusste sich einig mit dem II. Vatikanischen Konzil, das wenige Jahre zuvor festgestellt hat, dass es auch außerhalb unserer Kirche viel an Güte und Wahrheit, ja Heiligkeit gebe. Und dass deshalb jede Art der Herabsetzung anderer wegen ihrer ‚Rasse, Farbe, ihres Stands oder ihrer Religion’ dem Geist Christi widerspreche (vgl. Nostra Aetate 5).

Soweit so gut! Wer also nicht getauft ist, ist keineswegs von der Liebe Gottes ausgeschlossen. Aber warum dann noch die Taufe?

Weil sie uns zwar nicht den Platz im Himmel garantiert, aber doch den Weg zum Heil zeigt: Zu wissen, dass wir geliebt sind. Sie ist also ein Zeichen, ja das erste Zeichen in unserem Leben, dass Gott uns als seine geliebten Kinder annimmt, ja immer schon angenommen hat, und dass er das nie ändern wird. So wie wir es im Evangelium bei der Taufe Jesu hören.

Und dass dem so ist, dass Gott sich uns zuwendet und uns quasi nachläuft, das sollen wir in der Taufe erfahren. Wir Menschen sind geliebte Kinder Gottes. Wir haben Anteil an ihm, wenn wir genau das tun, was er von uns will, nämlich einander zu lieben, wie er uns liebt. Nur dazu ist er in der Welt erschienen in Jesus, Mensch geworden, damit wir ihn erkennen, so wie er ist: Liebe. Das bedeutet aber auch: Die Taufe ist nicht nur für uns selbst da. Durch sie sollen wir selber zu Zeichen seiner Liebe werden und ganz für den anderen da sein, ihnen so begegnen wie er uns begegnet: Liebevoll!

Wenn wir also heute die Taufe Jesu feiern, dann können wir dabei auch an unsere eigene Taufe denken und unseren Tauftag feiern, und die Zusage, Gottes geliebten Kinder zu sein, egal wie wir sind und wer wir sind.

Der junge Theologe in Münster, von dem ich eben gesprochen habe und der sich dagegen wandte, nur Katholiken kämen in den Himmel, war übrigens Joseph Ratzinger. Von ihm stammt noch ein weiteres schönes Bild, die Taufe zu beschreiben. Er sagte: Die Taufe sei „der Regenbogen Gottes über unserem Leben“ (Benedikt XVI.: Weihnachtspredigten, 2007, S. 98), weil sie uns wie der Regenbogen nach der Sintflut daran erinnern kann, dass Gott seinen Bund mit uns niemals aufheben wird und seine Liebe zu uns niemals endet. (Vgl. zum Ganzen Benedikt XVI.: Vom Sinn des Christseins, 2005, S. 55. ff.).

(Predigt am Fest der Taufe des Herrn, 11.1.2020, Christkönig, Berlin-Lübars, und 12.1.2020, St. Nikolaus, Berlin-Wittenau)



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