Glaubhaft ist nur die Liebe

Wir Christen sollen allen Rede und Antwort stehen, die nach dem Grund unserer Hoffnung fragen. So hören wir es im ersten Petrusbrief, einer der Lesungen dieses Sonntags (vgl. 1 Petr 3,15).

Doch wenn wir ehrlich sind, wird es hier in Berlin und insgesamt im Osten Deutschlands nicht sehr oft vorkommen, dass wir überhaupt gefragt werden, welche Hoffnung uns als Christen erfüllt. Wir leben hier in einer Situation „forcierter Säkularität“. Nur wenige haben heute noch ein Interesse an religiösen Fragen; ganz viele hatten noch nie irgendeinen Kontakt zu Glaube und Kirche. In Berlin gehört nur noch ein Viertel der Bevölkerung einer der christlichen Kirchen an – formell. Wenn man nach der aktiven Teilnahme am Gemeindeleben fragt, sind es noch viel weniger.

Wir dürfen vor dieser Realität nicht die Augen verschließen, wenn wir uns nicht sektiererisch aus der heutigen Welt ausschließen wollen. Aber ist es dann nicht allzu verständlich, wenn manche Christen angesichts dieser Zahlen mutlos werden und den Zeiten nachtrauern, in denen die Volkskirchen noch eine gesellschaftlich bestimmende Größe waren? Es gibt sehr interessante Forschungen dazu, welche Entwicklungen zu dieser heutigen Situation geführt haben. Aber auch wenn die gesellschaftliche Realität so ist und die Zahlen noch schlechter werden sollen, bin ich nicht hoffnungslos. Im Gegenteil!

Denn wir Christen haben einen anderen Grund für unsere Hoffnung als Erfolg und Mitgliedszahlen, so wichtig die auch sein mögen. „Der Gott unseres Glaubens ist der Grund unserer Hoffnung, nicht der Lückenbüßer für unsere Enttäuschungen“, schrieb die Würzburger Synode bereits vor 45 Jahren. Der Gott Jesu Christi ist größer als alle unsere Maßstäbe, und letztlich entscheidend ist, wer dieser Jesus für mich ist, welche Bedeutung er in meinem Leben hat, ob er die Wahrheit ist, die mich leben lässt und ob er uns so liebt, wie er es uns versprochen hat.

Dass ich mit all meinen Fehlern und meinem Versagen, mit all meinen Wünschen und Ängsten unendlich geliebt bin, von ihm geliebt, das ist entscheidend für meine Hoffnung. Denn „Gott verhindert nicht, dass die schlechten Dinge geschehen. Das war nie Teil der Verheißung. Das Versprechen ist: Ich bin bei euch. Ich bin jetzt bei euch und bis ans Ende der Zeit“ (Madeleine L’Engle).

Wenn mich der erste Petrusbrief also auffordert, darüber Auskunft zu geben, welche Hoffnung mich erfüllt, kann ich nur sagen: Geliebt zu sein!

Und welche Konsequenzen hat das für mein Leben und Handeln? Doch nur die: Dass ich diese Liebe weitergebe und versuche, diese Hoffnung glaubhaft zu machen. Denn glaubhaft ist nur die Liebe.

 

(Geistlicher Tagesimpuls zum 6. Sonntag der Osterzeit, 17.5.2020)



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