Feiern Sie Ihren Tauftag?

Mk 1, 7-11

Feiern Sie Ihren Tauftag? Also den Tag, an dem Sie getauft wurden? Viele werden ihn gar nicht wissen. Den Geburtstag feiert man natürlich, vielleicht auch den Namenstag, aber den Tauftag? Warum sollte der wichtig sein?

Ich bin der Überzeugung, dass das zum Wichtigsten in unserem Leben als Christen gehört. Natürlich weil getauft zu sein, uns allererst zu Christinnen und Christen werden lässt, aber auch weil getauft zu sein, unsere höchste Würde als Christen ausmacht. Die höchste Würde von uns Christen ist es ja nicht, Papst zu sein oder Bischof oder Priester. Nein, dass wir getauft sind!

Früher haben wir gelernt, dass nur jemand, der getauft ist, und noch dazu katholisch getauft, überhaupt die Chance hat, das ewige Heil zu erlangen. Das würden wir heute so nicht mehr sagen. Übrigens wage ich mir gar nicht vorzustellen, wie viele Menschen in tiefstes Unglück gestürzt wurden, weil sie zum Beispiel ein Kind hatten, das starb, bevor es getauft werden konnte. Oder wie viele verzweifelt waren, dass sie viele gute, anständige Menschen kannten, die aber nicht getauft waren – und zwar katholisch getauft – und von denen sie annehmen mussten, dass sie der ewigen Verdammnis anheimfielen.

Vor mehr als einem halben Jahrhundert, im Dezember 1964, hat ein damals noch recht junger Theologieprofessor in Münster in einer Predigt genau dem widersprochen, dass nur Katholiken in den Himmel kämen. Kurz zuvor hatte das II. Vatikanischen Konzil festgestellt, dass es auch außerhalb unserer Kirche ‚viel an Güte und Wahrheit‘, ja Heiligkeit gibt, und dass deshalb jede Art der Herabsetzung anderer wegen ihrer „Rasse, Farbe, ihres Stands oder ihrer Religion“ (NA, 5)  dem Geist Christi widersprechen. Soweit so gut! Wer also nicht getauft ist, ist keineswegs von der Liebe Gottes ausgeschlossen.

Aber warum dann noch die Taufe? Weil sie uns zwar nicht den Platz im Himmel garantiert, aber doch den Weg zum Heil zeigt. Und was ist das Heil? Zu wissen, dass wir geliebt sind. Die Taufe ist ein Zeichen, ja das erste Zeichen in unserem Leben, dass Gott uns als seine geliebten Kinder annimmt, ja immer schon angenommen hat, und dass er das nie ändern wird. Wir sind geliebte Kinder Gottes. Das wird uns in der Taufe zugesagt. So wie es eben auch von der Taufe Jesu hieß: „Du bist mein geliebter Sohn.“

Denn Gott ist Liebe, nichts anderes, und nur dazu ist er Mensch geworden wie wir, damit wir ihn erkennen, so wie er ist: Liebe, Barmherzigkeit, Zärtlichkeit. Und in der Taufe hören wir: Du bist ein geliebtes Kind Gottes, egal wer du bist. Du bist geliebt. Und zwar nicht so dahingesagt! Als frommer Spruch. Nein, ganz konkret! Wenn ich das richtig ernst nehme, verändert es mein Leben. Und wenn wir diese Liebe anderen weitergeben, wenn wir so leben, wie er es uns sagt, dann erfahren wir Heil, das Heil.

So erfahren wir die Taufe als Weg zum Heil. Durch sie sollen wir selber zum Zeichen seiner Liebe werden und für die anderen da sein und ihnen so begegnen, wie er uns begegnet: Liebevoll! Barmherzig! Zärtlich! –

Und deshalb sollten wir unseren Tauftag immer wieder feiern und die Zusage, dass wir geliebt sind.

Der junge Theologe in Münster, von dem ich eingangs gesprochen habe, und der schon vor über 50 Jahren mit der irrigen Vorstellung aufräumte, nur Katholiken kämen in den Himmel, war übrigens Joseph Ratzinger.

Von ihm stammt noch ein weiteres schönes Bild, die Taufe zu beschreiben. Er sagte nämlich: Die Taufe ist „der Regenbogen Gottes über unserem Leben“, weil sie uns – wie der Regenbogen nach der Sintflut – daran erinnert, dass Gott seinen Bund mit uns und seine Liebe zu uns niemals aufheben wird (zum Ganzen vgl.: Ratzinger, Josef/Benedikt XVI.: Vom Sinn des Christseins, München, 2005, S. 55 ff.).

(Predigt zum Fest der Taufe des Herrn, 9.1.2021, St. Hildegard, Berlin-Frohnau, und 10.1.2021, Maria Gnaden, Berlin-Hermsdorf).

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