Für andere sorgen

Die Kirche feiert heute den Heiligen Joseph. Für mich ist er eine der größten biblischen Figuren überhaupt, obwohl wir so wenig über ihn wissen. Ich finde, der Heilige Joseph ist wie wir: Er ist besorgt, er fürchtet sich, sicher hat er auch Angst. „Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht“, sagt Maria zum zwölfjährigen Jesus im Tempel (Lk 2,48), und schon die Geburtsgeschichte Jesu zeigt uns Joseph als den, der voll Sorge ist – um Maria und das Kind.

Auch wir haben derzeit viele Sorgen: Wie geht es weiter? Wie soll ich mich verhalten? Was, wenn diese Pandemie auch meine Lieben trifft? Wie viele werden vielleicht sogar sterben? Diese Fragen bedrängen uns alle, und wir alle haben nur Vermutungen und keine Antworten. Wer von uns hätte vor zwei Wochen gedacht, dass wir in diese Situation kommen? Nicht nur hier bei uns, sondern inzwischen weltweit. Wer hätte gedacht, dass so vieles, was wir im Alltag für selbstverständlich halten, plötzlich in Frage gestellt ist? Wer hätte gedacht, dass wir unser Leben so ändern müssen und dass die Kirchen für Zusammenkünfte geschlossen werden? Aber es geht jetzt nicht darum, ob die Gottesdienste oder kirchlichen Veranstaltungen öffentlich stattfinden und wir „leibhaftig“ daran teilnehmen können. Es geht jetzt ausschließlich um eine sofortige, größtmögliche „leibhaftige“ Distanzierung unter den Menschen! Das ist, wie wir alle inzwischen wissen, die einzig sinnvolle Weise, mit den Gegebenheiten umzugehen. Alles andere wäre verantwortungslos.

Und Verantwortung zu übernehmen ist doch genau das, was den Heiligen Joseph ausgezeichnet hat. Joseph wird gern als der angesehen, der stumm und brav den Weisungen Gottes folgt. Das mag natürlich für uns nicht immer gelten. Und wie oft fällt es uns schwer, still zu sein und einfach das Notwendige zu tun? Deshalb: Joseph ist wie wir – aber seien wir auch wie Joseph!

Ein Wissenschaftler hat diese Woche so treffend gesagt: Wir denken immer, das Virus verbreitet sich und wir sollten uns selbst davor schützen. Richtiger wäre anzunehmen, dass wir selbst das Virus längst haben und nun alles tun sollten, um andere zu schützen. Andere schützen und für andere da sein, das ist es, worauf es jetzt ankommt, und wir können in so vielen Formen für andere da sein: Es ist nicht verboten zu telefonieren, zu schreiben, jemanden, der nicht zur Risikogruppe gehört, zu besuchen und Besorgungen zu machen oder einfach an sie oder ihn zu denken und zu beten.

Der Herr ist immer und überall bei uns. In vielem sind wir derzeit eingeschränkt. Aber definitiv nicht einschränken müssen wir unsere Hoffnung. Alles wird gut! In der Zweiten Lesung zum heutigen Fest heißt es: „Gegen alle Hoffnung hat er voll Hoffnung geglaubt“ (Röm 4,18), was im Römerbrief zwar auf Abraham gemünzt ist, aber genauso für den Heiligen Joseph gelten kann. Seien wir wie Joseph! Sorgen wir für die Anderen!

 

(Geistlicher Tagesimpuls zum Hochfest des Hl. Josef, 19.3.2020)

(Foto: Andrea del Sarto: Die Heilige Familie mit Joseph, Maria und dem Jesuskind, um 1528, Galleria Nazionale d’Arte Antica in Rom © Joachim Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon    www.heiligenlexikon.de)



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