Selig seid ihr!

Jede und jeder von uns ist aufgerufen, sich zu fragen: Will ich das Evangelium leben und wie will ich das? Das kann einem gerade an einem Fest wie Allerheiligen wieder bewusst werden. Denn sind nicht die Heiligen genau die, von denen Jesus heute in den Seligpreisungen der Bergpredigt spricht? Sie haben’s geschafft. Und wir? Wer lebt schon so heiligmäßig wie ein Franz von Assisi, eine Mutter Theresa oder eine Edith Stein?

Früher lernte man im Katechismus, wir Menschen seien dazu da, hier auf der Erde heilig zu leben, um damit im Himmel das ewige Leben zu erlangen. Viele haben genau das geschafft. Aber wie vielen mag so ein Satz das Leben zur Hölle gemacht haben? Jesus sagt uns in der Bergpredigt nicht: Strengt euch gefälligst an! Überwindet endlich eure Defizite! Optimiert euch! Nein, er macht uns die Zusage, auch dann selig zu sein – also ein gelingendes Leben zu haben, wenn wir auf den ersten Blick scheitern. Wir müssen nur bereit sein, seinem Weg zu folgen.

Und was ist Jesu Weg? Da zu sein für andere; für sie ganz da zu sein, mit ihnen arm zu sein, mit ihnen zu trauern, Gerechtigkeit zu suchen und Frieden zu stiften, und sanftmütig zu sein und vor allem: barmherzig! Letztlich muss ich nur eins, um selig zu werden: Dem Gott, der die Liebe ist, vertrauen! Und Jesus sagt uns: Selbst wenn ihr dann scheitert oder verfolgt werdet, in meinen Augen seid ihr selig! Auch ihr gehört ins Himmelreich.

(Allerheiligen, 1.11.2019 [Mt 5,1-12a])



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